Auftaktveranstaltung „Soziale Netzwerke und Online-Kommunikation“ am 10. April 2019 in Berlin

S.Wolf
Senioren bei einem Workshop in einem Konferenzraum

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke bei älteren Menschen? Wie können Internetlotsinnen und –lotsen sich über soziale Medien vernetzen? Wie nutzen Seniorencomputerclubs Facebook und Co., um auf ihre Angebote hinzuweisen? Wie findet man Ehrenamtliche über soziale Netzwerke und wie schafft man es, dass aus Chats und Posts auch persönliche Begegnungen entstehen?

Antworten auf diese Fragen suchten und fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Auftaktveranstaltung des Themenquartals „Soziale Netzwerke und Online-Kommunikation“ des Digital-Kompass am 10. April 2019 im Digitalen Lernzentrum Facebook. Der Digital-Kompass richtet seit April 2019 Themenquartale aus, bei denen Internetlotsinnen und -lotsen gemeinsam mit älteren Verbraucherinnen und Verbrauchern digitale Alltagsfragen beleuchten. Nach der Vorstellung des Digital-Kompass durch Katharina Braun (BAGSO) und Joachim Schulte (Deutschland sicher im Netz) gab Constanze Osei-Becker (Facebook Deutschland) Beispiele dafür, wie ältere Menschen soziale Netzwerke nutzen und berichtete, wie Facebook Engagierte unterstützt. In der sich anschließenden Diskussionsrunde gaben Alexander Wild (feierabend.de), Daniel Lehmann (HMKW - Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft) und Sabine Wolf (Deutschland sicher im Netz) Impulse zur Verknüpfung von Online und Offline-Aktivitäten, zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Gewinnung von Freiwilligen durch soziale Netzwerke. An drei Thementischen führten die Teilnehmenden die angestoßenen Diskussionen weiter.

Online und offline aktiv auf feierabend.de

Die Plattform feierabend.de gibt es bereits seit über 20 Jahren und wird von etwa zwei Millionen Menschen genutzt. Die Online-Community richtet sich an Menschen ab 60 Jahren. Das Besondere ist die Möglichkeit, über die Plattform regionale Treffs zu organisieren, Veranstaltungen zu planen und darüber in Blogs und Foren zu berichten. Authentizität steht hier hoch im Kurs: Die Anmeldung funktioniert nur mit Mail und Handynummer. Alexander Wild berichtete, dass dank Angeboten wie feierabend.de inzwischen Enkel sogar zu ihren Großeltern gehen, um sich Technik erklären zu lassen.

Freiwillige gewinnen im Netz

Will man Freiwillige gewinnen, bietet es sich an mit einer kleinen Bestandsaufnahme zu beginnen: Was für Menschen suche ich überhaupt als Ehrenamtliche, wo finde ich sie und wie spreche ich sie an? Auch wenn es nahe liegt, dass Internetlotsen, Technikbotschafter oder Medienmentoren gut über digitale Medien zu erreichen sind, ist ein Mix aus verschiedenen Kanälen sinnvoll. Dazu gehört die persönliche Ansprache bei Veranstaltungen wie Freiwilligenbörsen genauso wie Anzeigen oder Artikel in der lokalen Presse, Aushänge in Bibliotheken, Hinweise auf der eigenen Website, das Nutzen von Engangementdatenbanken im Internet oder das Teilen von Inhalten über soziale Netzwerke, Foren oder Gruppen.

Die Erfahrungen der Teilnehmenden zeigen: Bei der Ansprache von neuen Ehrenamtlichen ist und bleibt der direkte Kontakt und die persönliche Ansprache das Wichtigste. Hilfreich ist außerdem das Vernetzen mit anderen Organisationen wie Wohlfahrtsverbände, Bibliotheken, Mehrgenerationenhäuser, Volkshochschulen, Schulen, Universitäten oder Jugendeinrichtungen.

Öffentlichkeitsarbeit mit Sozialen Netzwerken

Seit „Web 2.0“ oder dem „Mitmach-Netz“ ist Öffentlichkeitsarbeit im Internet deutlich einfacher geworden, machte Daniel Lehmann deutlich. Zwar ist eine Website mittlerweile recht einfach zu bauen, aber nicht unbedingt notwendig, wenn man sich ein Profil in sozialen Netzwerken schafft. Wichtig ist es, regelmäßig gute Inhalte ansprechend aufzubereiten, Nutzerinnen und Nutzer miteinbeziehen und persönlich anzusprechen, auf Kommentare und Feedback zu reagieren. Auch ohne eigenes Facebook-Profil kann man Links und Hinweise in bereits bestehenden Gruppen streuen.

Klar ist: Öffentlichkeitsarbeit ist immer ein Mix aus analogen und digitalen Kommunikationsmitteln und nicht alle Kommunikationswege sind für alle gleich gut geeignet. Wichtig ist auch hier zu Beginn eine Bestandsaufnahme: Was kann ich leisten? Was ist mein Ziel? Welche Kanäle kommen dafür in Frage? Für die Ansprache älterer Menschen vor Ort funktionieren z.B. die lokale Presse, Anzeigen- und Amtsblätter besonders gut. Die Teilnehmenden sind sich einig: Lieber auf Qualität statt auf Quantität setzen, aber dabei trotzdem Raum für Experimente lassen.