„Sozialraum Digital - Souveränität in der digitalen Welt“ – Tagungsbericht erschienen

S.Wolf

„Digitale Souveränität zielt darauf ab, digitale Technologien kompetent, sicher und vielfältig zu nutzen“, erläuterte Staatssekretärin Juliane Seifert vom Bundesfamilienministerium in ihrem Grußwort der Tagung „Sozialraum Digital - Souveränität in der digitalen Welt“ im Juni 2018 und führte weiter aus: „Zentraler Punkt ist, ältere Menschen so zu befähigen, dass sie souverän und selbstbestimmt im Umgang mit den digitalen Technologien werden und Chancen und Risiken ihrer Nutzung möglichst selbst abwägen können. […] Sie brauchen vor allem Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und mehr Informationen, wie sie sich im Internet vor Gefahren schützen können.“  Als ein Angebot, das ältere Menschen dabei unterstützt, ihre digitale Souveränität zu stärken, nannte sie den Digital-Kompass.

Die digitale Souveränität älterer Menschen hatte bei der Tagung, bei der sich Experten/innen aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung über die Digitalisierung im Sozialraum ausgetauscht hatten, eine zentrale Rolle und so befasste sich auch ein Workshop mit diesem Thema:

Carsten Große Starmann (Bertelsmann Stiftung, siehe auch „Smart Country“) ging auf die Prozesse des demografischen Wandels und der Digitalisierung sein, die einerseits zu seiner zunehmenden Spaltung innerhalb Deutschlands führen. Andererseits böte die Digitalisierung neue Chancen, die Daseinsvorsorge flächendeckend sicherzustellen und zu mehr Chancengerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe beizutragen.

Nicola Röhricht (Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ der BAGSO) benannte auf der Grundlage des Positionspapiers „Ältere Menschen in der digitalen Welt“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) die Voraussetzungen, die digitale Souveränität erfordert: Zugang, Teilhabe und Sicherheit.

Joachim Schulte (Deutschland sicher im Netz e.V.) formulierte mit Blick auf den DsiN-Sicherheitsindex 2018 drei Handlungsempfehlungen, um digitale Souveränität in der Fläche und mit Blick auf die Vielfalt des Alters – über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg zu stärken: „(1) Gebraucht werden mehr Didaktiker und Pädagogen, die das Internet und seine selbstbestimmte Nutzung erklären. (2) Digitale Angebote bereichern den Alltag älterer Menschen schon heute; sie erfordern eine zielgerichtete, professionelle Ansprache – gerade in ländlichen Regionen. (3) Der digitale Aufklärungsbedarf für Ältere wird zunehmen. Denn neue Dienste müssen vermittelt, neuen Risiken begegnet werden.“

Die sich den Beiträgen anschließende Diskussion moderierte Dr. Michael Littger (Deutschland sicher im Netz e.V.) und umfasste im Wesentlichen fünf Positionen:

  1. „Die Gewährleistung von digitaler Souveränität sollte als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und damit als Pflichtaufgabe der Kommunen verankert und – beispielsweise im Sozialgesetzbuch II – rechtlich flankiert werden, um einen Anspruch auf Zugänge und die notwendige Infrastruktur zu verbriefen.
  2. Digitale Souveränität setzt Sicherheit voraus. Diesbezüglich sind auch insbesondere Anbieter und Hersteller in der Pflicht.
  3. Das Alter gibt es nicht, Alter ist so vielfältig wie die gesamte Gesellschaft. Aus der Heterogenität folgt das Erfordernis, unterschiedlichste Gruppen mit Blick auf ihre Interessen und Bedürfnisse gezielt anzusprechen, um ihnen Zugang zu und die Nutzung von digitaler Technik zu ermöglichen.
  4. Digitale Souveränität erfordert qualifizierte Begleitung und Beratung. Hier geht es vor allem um die Schaffung von Zugängen zu digitaler Technik, um das Wissen der sich damit eröffnenden Chancen und Risiken sowie um die Befähigung, sie souverän zu nutzen.
  5. Digitale Souveränität erfordert vorausschauende Technikfolgenabschätzung.“

Anfang November veröffentlichte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege die umfangreiche Dokumentation der Konferenz, die unter anderem das Grußwort (PDF) der Staatssekretärin Juliane Seifert und Präsentationen der oben genannten Referent/innen enthält.

Quelle: Tagungsbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege