Portabilitätsverordnung: EU erlaubt grenzenloses Streaming

D.Lehmann

Ab dem 1. April greift die sogenannte Portabilitätsverordnung, die das EU-Parlament bereits im Mai 2017 verabschiedet hatte. Konkret sieht diese vor, dass Nutzer von kostenpflichtigen Streaming-Diensten wie Sky Go, Netflix oder Amazon Prime deren Inhalte bei vorübergehenden Aufenthalten auch im EU-Ausland uneingeschränkt und ohne Zusatzkosten schauen können. Bislang war das aus urheberrechtlichen Gründen nicht der Fall. Wer beispielsweise im Urlaub am Laptop die Bundesliga schauen wollte, bekam den Hinweis angezeigt, dass dieser "Inhalt in ihrem Land nicht verfügbar" ist. Bei anderen Diensten konnten nur jene Inhalte angezeigt werden, an denen die Plattform im jeweiligen Land die Rechte hatte.

"Vorübergehender Aufenthalt" nicht immer genau definiert 

Karolina Wojtal, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland, begrüßt die Entwicklung: "Endlich können Verbraucher ihre bezahlten Online-Inhalte europaweit nutzen. Der nächste Schritt muss sein, Verbrauchern auch den Zugang zu Angeboten zu gewähren, die nur in einem anderen Mitgliedstaat verfügbar sind. Momentan sind EU-Bürger in vielen Fällen noch auf die des eigenen Landes beschränkt. Kritisch sehen wir allerdings die Tatsache, dass nicht genau festgelegt ist, wann es sich um einen nur ‚vorübergehenden Aufenthalt‘ handelt." Sky hat sich mittlerweile auf 37 Tage festgelegt. Bei anderen Anbietern ist noch keine genaue Frist bekannt.

Mediatheken von ARD und ZDF wohl weiterhin nicht im Ausland streambar

Die neue Regelung betrifft nicht nur Serien oder Filme, sondern gilt ebenfalls für Musik, Sportveranstaltungen oder E-Books. Voraussetzung bleibt, dass es ein kostenpflichtiges Angebot ist. Kostenlose Dienste, wie die Mediatheken von öffentlich-rechtlichen Sendern, können selbst entscheiden, ob sie ihre Inhalte im EU-Ausland zur Verfügung stellen wollen. Laut der Süddeutschen Zeitung werden sowohl das Erste als auch das ZDF von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch machen, da eine technische Abfrage in die Mediathek integriert werden müsste, die den Wohnsitz in Deutschland bestätigt. Dies sei mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Kostenpflichtige Streaming-Dienste, bei denen ein Nuter-Konto unabdingbar ist, hätten es leichter das umzusetzen.