Breitbandausbau in Deutschland: Viel teurer und noch längst nicht abgeschlossen

D.Lehmann

"Turbo-Internet für alle" - so lautet der Claim des angepassten Breitbandförderprogramms, das das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) am 1. August dieses Jahres veröffentlichte. Das große Ziel: Die vor allem im ländlichen Raum vorhandenen sogenannten "weißen Flecken" (Haushalte, deren Internetgeschwindigkeit unter 30 Mbit/s liegt) sollten bis Ende 2019 an Gigabit-Netze angeschlossen werden und dadurch zumindest 50 Megabit in der Sekunde empfangen können.

Mittlerweile steht jedoch so gut wie fest, dass das nicht realisierbar ist. Einem Bericht des Handelsblatts (siehe Links unter dem Text) zufolge ist, trotz vereinzelter Erfolgsgeschichten, bislang "kaum Geld abgeflossen". Zudem behindern unzureichende Kapazitäten vielerorts längst geplante Projekte. Damit hat der Internet-Zugang in Deutschland weiterhin zwei Gesichter: Während in den Städten rund neun von zehn Haushalten Anschlüsse mit besagten 50 Mbit/s nutzen können, ist es auf dem Land gerade einmal jeder zweite.

Kommunen setzen gleich auf Glasfaser - doch das kostet

Der Breitbandausbau gestaltet sich zudem deutlich teurer als erwartet. 643 Millionen Euro muss der Bund zusätzlich investieren - Stand jetzt. Ein großer Teil der Summe fällt dabei auf "Upgrades" der Kommunen zurück. Statt 50-Mbit-Anschlüsse auszubauen, konnten diese ihre Förderanträge ändern und Gelder für das Verlegen von Glasfaserkabeln (der flächendeckende Ausbau soll bis 2025 vonstatten gehen) beantragen. Experten erwarten weitere Kostensteigerungen, die auch auf veränderte Marktpreise zurückzuführen sind.

Viele Gemeinden reagieren entnervt auf die immer neuerlichen Fortschritts-Versprechen. „Mich ärgert es, dass man das seit 15 Jahren diskutiert, und es keinen Schritt vorwärts geht. Das ärgert mich wirklich. Die Förderprogramme, die vom Bund aufgerufen werden – die Töpfe sind ja voll. Aber es überfordert halt viele Kommunen, das zu leisten. Es ärgert mich wirklich, dass man nur über dieses Thema Breitband diskutiert, ohne weiterzudenken", äußerte sich beispielsweise Peter Wilke, Amtsleiter der Stadt Reutlingen, gegenüber dem Deutschlandfunk (siehe Links).

Konkrete Anregungen und greifbare Ziele erhofft man sich vom Digital-Gipfel in Nürnberg Anfang Dezember. Bis dahin sollte außerdem die Studie vom Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) vorliegen. 

Links:

Das Breitbandförderprogramm - BMVI

Breitbandatlas: Wo sind welche Bandbreiten verfügbar? - BMVI

Kommunen fühlen sich alleingelassen mit der Digitalisierung - Deutschlandfunk

Der Breitbandausbau wird noch viel teurer als geplant - Handelsblatt

Digital-Gipfel in Nürnberg - BMWI